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Erntebild

Sirrend sausen die Sensen durch die sterbenden Halme. Aufrechten Ganges mit festen, sicheren Hieb schreitet der Vater voran. Nacheifernd müht sich sein jüngerer Sohn gleichem Schritt zu halten. Das nimmermüde Schaffen der Mutter legt vom Schwad Garbe um Garbe auf das stoppelige Feld. Die braunen Hände der flachshaarigen Tochter windet das feste Seil um goldene Halme. Hoke drängt sich an Hoke. Sommerhelle Wolken wandern über reife Ährenfelder. Durch die knorrigen Eichen braust uraltes Rauschen. Vierzig Jahre schon schneidet hier der Vater das neigende Korn. Er mäht auf einer Scholle, wo sein Geschlecht 250 Erntejahre, magere und fruchtschwere die Sichel führten. Sein Herz hängt an dieser Scholle.

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Alter Backofen

Den alten Backofen schufen Bauernhände aus Lehm. Unten am Gartenweg liegt er, wo verolmte Weiden an der Hofwiese stehen. Holzkolben, Kinwurzeln und angeglühte Kohlen bedecken die Erde vor den gähnenden Ofenlöchern. Der lange Brotschieber ist gegen die hölzerne Ofentür gelehnt. Das eine Ofenloch nimmt das Brot, das andere zur Festzeit den Kuchen auf. Hier wird der Flachs in der Schnurrhitze des Ofens getrocknet. Backtag ist Freudentag, auch für die Kinder. Den ausgetriebenen frischen Knust bricht Mutter für sie ab. Die schweren Brote stellt die Bäuerin in den kühlen Keller. Kräftiges Heimatbrot, wer dich isst, der führt die Pflugschar sicher. Buersmann und Buernbrot, buten hart doch innen goot.

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Altes Bauernhaus zu Wüstmark
Entnommen der Zeitschrift "Mecklenburgische Heimat" Heft 5/1931

Fest und stolz steht die alte Bauernburg da. Der Birnbaum überschattet das moosbedeckte Strohdach. Zwischen starken Ständern und Querbalken im Mauerwerk des Giebels lachen blanke Fensterscheiben der niedrigen Wohnstuben und Kammern. Herzgeschnittene Fensterläden sind zurückgeklappt. Unter den „Auken“ hängt die Sense. Zwei schmale Luken sehen wie bunte Augen unter dem Dach hervor. Im Garten vor den Fenstern blühen Bauernblumen in leuchtenden Farben. Die Mittagsstille liegt um das Haus. Über 200 Jahre trotz es nun schon Feind, Feuer und Wetter. Die Geschlechter der Dahl, Wedemeyer und Bollow wurden drin gewiegt und geschreint; hier lebte der alte Joachim Dahl – geb. 1653 – das Glück und Leid seines Lebens. Joachim Bollow, dem die Preußen 1758 für immer entführten, aß hier sein Bauerbrot. Diesem Haus entriss der Weltkrieg als eines der ersten Opfer den Gehöftserben. Von Menschenschicksalen, im Glück und in der Mühsal des Lebens erzählt das alte Bauernhaus.

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Die Dorflinde
Entnommen aus einer unveröffentlichten Niederschrift

Mit gigantischer Kraft wehrte sie sich gegen ihre Mörder. Einzeln, stückweise hat man sie umgelegt. Der Brand des 200 jährigen Strohdachhauses versengte ihre dem Haus zugewandten Zweige. Als die stolze Bauernburg, die Schulzenstelle des Dorfes, in Trümmer sank, da ging ein Beben durch ihr Geäst. Tot, verkohlt lag da, was über 2 Jahrhunderte unter ihren Fittichen lag. Dann kam auch schnell ihr Ende. Das neue Haus entstand, da hatte sie keinen Platz mehr.

Man schlug ihr das Geäst ab, das Jahr für Jahr hoch über alle Dächer ragte und dem Heimkehrenden weit entgegen grüßte. Da wandte mancher seine Augen ab von dem Stumpf der Linde. Ihre Krone beraubt, trauerte sie. Kein Vogelruf mehr aus ihrem stolzen Gezweige, kein Eulenschrei aus mondübergänzten Ästen, kein Duft von gelben Blüten, kein Sturmesrauschen durch laue Frühlingsnächte, kein Schatten, kein Platz mehr für singende Dorfjugend, kein Ort mehr für Liebende, für staubbedeckte Wandersleute. Mutter Erde gab den Wurzeln was sie hatte. So schlug beim Lenzeseinzug noch einmal der gewaltige Stamm unzählige Schösslinge. Das kalte neue Haus stand fertig da.

Jetzt hieß es ans Sterben denken. In der alten Steinmauer, die sich wie ein Ring um die Bauernfeste legte und auch die Linde schütze, wurde eine tiefe Lücke gerissen. Dann grub man in schwerer Arbeit, das Wurzelwerk der Linde frei vom Boden. Fremde Männer schlugen, sägten, brachen Tag für Tag. Sie liefen davon und kamen doch wieder. Mutter Erde hielte ihr ältestes Kind, mit ihrer Liebe fest. Die Wurzeln umklammerten sie in Todesangst. Doch Axt, Säge und Brecheisen und das letzte Bauernpferd der Hufe ließen nicht ab vom Zerstörungswerk. Schwer legte sie sich zur Seite und krachend schlug der Stamm nach Süden.

Ein Schrei von 3 Jahrhunderten stieg in die Luft. Die Leute gingen tagsüber, als unter Zwang stehend. Kein Lachen schallte durchs Dorf, kein Kind ging an dem Tag auf den Anger. Vom Lindhorst und dem Moor wehte es Nebelhaft ins Dorf. Einer will das Klingen der nahen Kirchendorfglocken, mit dem heraufziehenden Nebel gehört haben. Tagelang kreischte die Säge durch das Lindenholz. Drei Schnitte nur, aber jeder Schritt dauerte einen halben Tag. Dann biss die Axt ins Holz, Keile fraßen sich fest. Die Schläger holten hoch aus Stück um Stück riss man der Linde vom Leib. Die Fäller seufzten: „Es lohnt sich nicht der Müh!“.

Wagen um Wagen fuhr fort was die Axt vom Stamm biss. Hatte der Stamm viel Arbeit gemacht, weit größere schufen die Wurzeln. Tief und weit verholzt saßen sie im Heimatboden. Spaten, Beil und Axt holten Stück um Stück heraus. Tage vergingen, dann setzte die Arbeit wieder ein. Endlich als Wochen vergangen waren, war der Boden kreuz und quer zerwühlt. Wo einst die stolze, schattige Linde stand, war jetzt eine Lücke im Himmel und aufgerissen der Boden. Kalt und steif stand der neue Kasten da.

Dies aber ist die Geschichte der Linde.

Als sie aufgrünte, ducke sich das Dorf unter der Geißel des 30 jährigen Krieges. Hinter dem zerfallenen geflochtenen Zaun stand sie, auf des Schulzen Hans Schomackers Hofstätte. Ihre Jugendzeit war harte Zeit. In der wilden Kriegszeit flüchteten 8 Bauersleut und dann ein Kätner in den Boll- und Lindenhorst, versteckten sich in Rusch und Rohr. Als der Friede kam da beendete der Tod Hans Schomackers leidvolles Leben. Hans Zierkes und Kastor Röbkes Stätten lagen wüst. Alle Zimmer waren verbrannt, es lebte noch die Witwe im Dorf, der Sohn und die Tochter dienten auf dem Ostorfer Hof als Knecht und Magd. Joachim Schomacker mit neuem Hoffen übernahm das Erbe seines Vaters.

Als die Herbststürme des Jahres 1693 den jungen Stamm umtosten nahm der 40 jährige Klaß Dahl des Schulzen Schomackers jüngstes Töchterlein Liese zur Frau. Sein Heimatdorf Sülstorf wo sein Gehöft stand war durch den 30 jährigen Krieg zerstört und lag noch arg darunter und bot keinen Unterhalt. So rief ihn sein Bruder Joachim nach dem verschont gebliebenen Wüstmark. Acht Jahre lebte er in dem alten Haus. Ilschegret ihre älteste und erste Tochter war 3 Jahre alt da baute der Schulze Schomacker im aufgehenden neuen Jahrhundert ein neues Haus.

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