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In früheren Jahrhunderten war es in unseren Dörfern üblich, jedem besonderen Bereich in der Feldmark einen Namen zu geben. Diese Flurnamen, die der Orientierung dienten, bezogen sich nicht nur auf das bearbeitete Land. Auch Ödländer, Gebüschgruppen, Waldteile, Brüche, Moore, Sölle, Wege, Brücken, Einzelbäume, Felsen und Bäche wurden in dieser Weise gekennzeichnet. Anlass dazu gaben oft die besonderen Formen, die geologischen Besonderheiten, die Pflanzen - und Tierwelt, der Name des Besitzers aber auch geschichtliche Ereignisse und abergläubische Vorstellungen. Manche dieser Namen weisen in die slawische Zeit. Durch die mündliche Überlieferung bedingt, veränderten sich viele dieser Namen, sodass es schwer fällt, ihre ursprüngliche Bedeutung zu erkennen.

Im Gegensatz zu den ritterschaftlichen Feldnamen, wo die alten Feldbezeichnungen durch die Einführung der Schlagwirtschaft bald in Vergessenheit gerieten, blieben sie in den ehemaligen Domanialdörfern, in denen sich die Ländereien in Generationen weitervererbten, bis in die jüngste Vergangenheit erhalten.

So gesehen, bietet das ehemalige Domanialdorf Wüstmark gute Voraussetzungen für die Flurnamenerforschung, zumal es von allen Dörfern um Pampow im 30 jährigen Krieg am wenigsten gelitten hatte (1553 = 9 Hüfner, nach 1648 noch 7 Hüfner).

Für die heutige Regionalerforschung sind Flurnamen von besonderem Wert. Als “Sprachdenkmäler” geben sie Hinweise auf Fragen der Siedlungskunde, der Archäologie, sie ergänzen in sehr anschaulicher Weise historische Ereignisse und geben uns zum Teil Einblick in die Verstellungswelt früherer Generationen.

Mir sind zwei Überlieferungen der Wüstmarker Flurnamen bekannt. Die erste stammt aus der Ortschronik von Otto Blumrich und wurde von Friedrich Dahl erstellt. Die zweite ist eine überarbeitete und ergänzte Überlieferung von Wilhelm Wieschendorf (beschäftigte sich mit Flurnamenerforschung), auch wenn diese mit Sicherheit die Genauere ist, will ich Ihnen keine von beiden vorenthalten. Wenn Sie beide Überlieferungen vergleichen, werden Sie bemerken das sie sich ähnlich - jedoch nicht gleich sind. Klicken Sie hier falls Sie die erste Überlieferung sehen wollen.

Dorffeldmark Wüstmark um 1900

Durch Mitteilung von Otto Blumrich (Wüstmark), erforschte der Lehrer Friedrich Dahl (Wüstmark, 1895 - 1931) die Geschichte des Dorfes Wüstmark mit den Flurnamen.

Von den 35 bekannten Flurnamen sind 24 nicht lokalisierbar.

Flurnamen zur Wittschaftsgeschichte:

1. Dat groot Feldt  
2. Dat lüttge Feldt  
3. De Nedderenden Ackerstücke, die an der Niederung endeten
4. Oberfeld ehem. Butenfeld das nach dem 30jährigem Krieg unbearbeitet blieb, “in Rusch und Busch” überging, später dann forstwirtschaftlich genutzt wurde
5. Blattwiese 1848 beantragten die Wüstmarker “Einlieger” die Überlassung der Blatt - und Bullenwiese
6. Bullenwiese auch Holzdielenwiese genannt
7. Brinkwiese Lage nicht gesichtet. Brink = hochgelegener Grasplatz. Wahrscheinlich ist damit der sogenannte “Göhrensche Tannenkamp” gemeint. 1659 baut nach dem Amtsbuch ein Röpke auf dem Brink einen Katen. In Communion mit Göhren.
8. Bruchwiesen  
9. Hofackerwiesen, auch Rettwiesen  
10. Die Quöbbe Lage unbekannt. 1755 in den Gehöftakten Germann genannt.

Quebbe (Quöbbe wohl nur andere Schreibweise) mnd. quebbete = Sumpf, feuchte Wiesenstelle, an der man beim Betreten einsinkt [vgl. KINTZEL, W. (1987): Flurnamen und Ortsnamen aus dem Kreis Lübz. Herausgeber: Rat des Kreises Lübz, Abt. Volksbildung]

11. In den Raden weist auf das Roden von Bäumen und Büschen hin, die hier nach dem 30jährigem Krieg aufgewachsen waren.
12. Die großem Redwiesen Kann mit dem französischen “retirieren” (= sich zurückziehen) zusammenhängen. Viele Einwohner der “Sieben Dörfer” flüchteten bei Aufrücken der Franzosen ins Moor.
13. Rettwiesen Hier in unmittelbarer Dorfnähe wohl der Ort, wo der Flachs zum “Röten”, d. h. zum Verrotten abgelegt wurde.
14. Werderwiese Anderer Name für Brinkwiese. Hier ließ der Pächter von Göhren, “Kammerherr von Bülow” 1774 unberechtigter Weise mähen.
15. Wiesenhof Gehöftname, Besitzer unbekannt.
16. Zippendorfer Heide Jetzt Waldbereich östlich von Göhren. “... daß die gantze Zipp. Heyde eine gemeinsame Weyde zwischen Storf, Wüstmark, Krebsförden und Göhren sey...” 1774

Namen von Straßen und Wegen:

18. Buerweg Die alte Dorfstraße. Heute “Vor den Wiesen”
19. Blattwiesenweg  
20. Fährweg  
21. Reuterweg Torfweg
22. Die Fohrt In den Grenzstreitakten von 1750 wird der Scheidegraben zwischen Wüstmark und dem Göhrener Feld so genannt. An anderer Stelle auch “Krebsfördener Auslauf”. Auf diesem Grenzbach sollen die Wüstmarker in früheren Zeiten mit dem Kahn nach Schwerin gefahren sein.

Flurnamen von Anhöhen und Horsten:

23. Barkhorst Früher anscheinend mit Birken bestanden
24. Lindhorst kann auf Linden hinweisen aber auch auf Erzählungen vom “Lindwurm”. Im Zusammenhang mit den Waldbereichen Haselholz, Buchholz berichtet “Wossidlo” über Lindwurmsagen.
25. Göhrenscher Tannenkamp Von den Höhen 58m und 60m im “Großen Feld” sind Flurnamen nicht bekannt. Auf der letzteren wurde ein Knochenlager in Steinpackung gefunden. “Dat. vorröm. Eisenzeit. Dr. W. Schulz”

Flurnamen von Söllen:

26. Egelsoll Lage unbekannt. Der Egel wurde früher in der Volksmedizin verwendet.
27. Brandkuhl Unter Kuhl kann auch eine Erdgrube verstanden werden. Einzelheiten über das, was hier verbrannt oder auch gebrannt wurde, nicht bekannt.
28. ...... Das Soll an der Straßenkreuzung im Dorf soll früher einen bestimmten Namen gehabt haben.

Flurnamen, deren Bedeutung unklar ist:

29. Bahlhort Zwei Deutungen: 1. von “bal” (altslawisch = Heilen, zaubern), also Ort des Zauberers oder Medizinmannes. 2. von “Bahl” (niederdeutsch = Bohle, starkes Brett) Evtl. Hinweis auf Bohledamm...
30. Bollhorst Zwei Deutungen: 1. “Holl und Boll”, also Hohlraum, 2. Bollwerk, d. h. Befestigung
31. Hemeringsberg Lage: Im früher als Acker genutzten Oberfeld.
32. Loitzdeelen Evtl. von “lysu” (altslawisch = kahl). Kahle Gegend? Oder von “losi” (altslawisch = Elen, Dammwind)
33. Rusthorstwiesen 3 Möglichkeiten: 1. von Rost = Eisenoxid,  2. von “Rüst” im Sinne von Gerüst, evtl. Beobachtungsturm, 3. Die Rüst oder Rüste war früher eine weibliche Schreckgestalt.
34. Grot Dörpstädt Am westlichen Niederungsrand. Hier wurden 1936 und 1956 jungslawische und frühdeutsche Keramikreste gefunden.
35. Lütt Dörpstädt Am nordöstlichen Ortsrand, Niederung. Funde wie zu 34. Deutung Slawische Siedlungen, die noch in frühdeutschen Zeit benutzt wurden.

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Erste Überlieferung der Flurnamen von Friedrich Dahl
Quelle: Ortschronik von Otto Blumrich

Die Flurnamen des Dorfes wurden vom Lehrer Friedrich Dahl gesammelt und verzeichnet. Als Unterlagen dienten Acker- und Wiesenaufteilungskarte, die von seinem Vater dem Schulzen Johann Dahl angefertigt wurde und die Büdnerkarte deren Anfertigungsjahr unbekannt ist und bei dem Büdner Kaphingst (Büdnerei 11/12) aufbewahrt wurde.

In der Zeitschrift „Mecklenburg“ (Nr. 1 vom Februar 1927) in dem Beitrag „Liste der Ortschaften deren Flurnahmen verzeichnet sind“, heißt es, dass 10 der in dieser Aufstellung genannten Flurnahmen erfasst wurden.

1. Grot Wisch, früher Rondenbrauk und Rondenwisch genannt Auf der Smettauschen Karte, heißen Schomacker, Jessels und Bollows Wiesen im Moor „auf der Freyheit“. Ronden = gerodete Erlen- oder Weidenbüsche.
2. Holt Wisch, Moorwiesen. Früher mit Erlen- und Weidenbüschen bestanden. Das Moor war in Kriegszeit Zufluchtsort der umliegenden Bewohner.
3. Lütt Wie  
4. Rusthorst Früher großer Erlenbestand. Am Rande stehen heute noch Erlen.
5. Ellernkavel  
6. Wei Wischen  
7. Torfdamm Weg Führt zu den Torfstichen. Torfstich 1927 eingestellt. Von hier bekamen die Bewohner ihren Torf.
8. Torf- oder Langewiese  
9. Amts- oder Forstreservat, früher Oll Wei genannt Hier wurden früher von den Tagelöhnern und Einliegern die Kühe gehütet. Der Gemeindekuhhirt blies früh und abends das Horn Aus- bzw. Eintrieb
10. Bi dei Hütt Schmaler Platz am Torfdamm. Unterkunft für Torfstecher und Pferdehirten, später auch für den Gemeindekuhhirten. Etwa 1870 abgebrochen.
11. Ronden- jetzt Hofacker Weil alle Hofbesitzer ihren Acker an der Chaussee Hofacker nannten, wollten die drei Hufner nicht zurück stehen und nennen ihren Acker seit 40 Jahren ebenfalls Hofacker. Auf der Smettauschen Karte heißt der Hofacker längst der Bahnstrecke nach Holthusen „Lange Brink“.
12. Rehwisch  
13. Bollhorst Ludwigsluster Bahn trennt dieses Gebiet vom Moor. Sehr feucht, langsame Umwandlung in Acker. Einst großer Buschbestand.
14. Wischhof  
15. Blattwisch  
16. Schultenwisch Entgeld für Schulzendienst.
17. Blattwisch früher Holtdeel Auf der Smettauschen Karte als Holtdel verzeichnet.
18. Bullenwisch Entgeld für Bullenhaltung.
19. Buschkoppel Starker Holzbestand, daher früher der Name „Holtdeel“.
20. Kauhtrift Hautweg in das Moor, der auch vom Gemeindekuhhirten benutzt wurde.
21. Grote Dorpstädt Der Volksmund erzählt, dass früher zwischen Wüstmark und Pampow noch ein Dorf lag. Vor dem Krieg stand hier noch eine Steinmauer.
22. Veihstätt Weg Früher viel breiter und mit Weiden bestanden. Viehtrift zur Zeit als die Kühe noch im Buchholz gehütet wurden. Das Buchholz gehörte früher bis zum Fährweg zu Wüstmark.
23. Warderberg Ganz früher wohl vom Wasser umgeben. Beim nachgraben stößt man bald auf Moorboden und Torf. Früher ein Bohlenweg zu den nassen Wiesen gelegt.
24. Stiert Wiese Deutet auf Keilform der Wiese, auch „Stenders Stiert“ genannt.
25. Mörderkuhl, Sandgrube Hier soll ein Bodelaer Einwohner ermordet worden sein.
26. Späukerberg In der Nähe das Urnenfeld.
27. Lütten Feld Acker der kleinen Leute gewesen.
28. Schultenkamp  
29. Angelsoll Im Forst Buchholz früher ein großer See, auf dem die Wüstmarker Einwohner im Winter Eislaufen gingen.
30. Leihmkuhl Hier wurde früher Lehm geholt.
31. Schaulacker Gehörte zur Schule.
32. Kraaker Weg Am Waldrand.
33. Angel- jetzt Egelsoll siehe Ziffer: 29
34. Wandelweg  
35. Stäkkuhl  

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